Back In The Day

(2010)

pronto 2011/01/06 18:18 Mit 2010 geht nicht nur ein Jahr zu Ende, sondern auch die erste Dekade des 21. Jahrhunderts kann man ab nun Revue passieren lassen. Gott und die Welt redet, schreibt und sendet ihre Sicht der vergangenen Dinge. Da ich irgendwo dazwischen bin, habe ich mir auch die Frage gestellt, ob ich meinen Senf zum letzten Jahr oder gar zum letzten Jahrzehnt beisteuern soll? Welches Thema eignet sich denn besonders? Die Gewinner der letzten Dekade? In meinen Augen zweifelsohne Apple. Ende der 90er fast am Ende und von Microsoft am Leben gehalten um selbst nicht ins Visier der US Kartell Behörde zu geraten1), kam Apple mit Karacho zurück und spielen Dank innovativer Technologien, wie OSX, iPod, iPhone und iPad wieder ganz oben mit. Aber mit Apple ärgere ich mich schon die ganze Zeit ab, also sehe ich keinen Grund hier auch noch Zeit zu investieren. Dann vielleicht ein Wort zu den Verlierern? Für mich sind das die Opfer der vergangenen Naturkatastrophen, wie zB die Menschen in Haiti. Ungefähr 300.000 Menschen kamen Anfang 2010 bei einem Erdbeben ums Leben2) und das Land wurde danach noch von einer katastrophalen Überschwemmung heimgesucht3). Nein, auch wenn es ohne spektakuläre Videos, wie vom Tsunami 2004 in Asien, im Gedächtnis bleiben sollte, möchte ich mich jetzt nicht mit so tragischen Dingen beschäftigen. Somit ist auch der 11. September 2001 aus dem Rennen, wobei das schon ein Tag war, der die Welt im noch jungen 21. Jahrhundert so nachhaltig (negativ) veränderte, wie bislang Gott sei Dank kein Zweiter.

Und wie steht es bei mir selbst? Z.B. mein Buch des Jahres 2010? Tja, da müsste ich mich wohl zwischen irgendeinem der zahlreichen Fachbücher entscheiden, für Romane blieb so gut keine Zeit. Die Reise 2010? Gab es keine, auch keine Zeit. Meine persönliche Miss 2010? Ha, das würde Euch so passen. Meine Musikentdeckung 2010? Da gerade die neue Scheibe von »Tom Petty« im Hintergrund läuft, keine schlechte Idee. Wobei Tom Petty sicherlich nicht das Rennen machen wird, obwohl die letzte CD »Mojo« wirklich gut ist und das obwohl das Genre des klassischen Rock bei mir nicht ganz vorne an der Beliebtheitsskala steht. Wen gäbe es noch? »Ceu«4) vielleicht? Eine Wahnsinns-CD ist ihr gleichnamiges Debütalbum. Eine wirklich sympathische und verdammt gut - verteufelt verdammt gut - aussehende Brasilianerin - und verflixt gut aussehend - die den großen amerikanischen Major Labels einen Korb gegeben hat und sich ihre künstlerische Freiheit bewahren wollte. So ist sie bei einem kleinen brasilianischen Independent Label untergekommen, verzichtet auf den großen Rummel und hat sich so zum echten Geheimtipp entwickelt. Ein Tag meines Lebens für ein Frühstück neben ihr. Anspieltipp auf dem Album ist »Lenda« und »Roda«

Aber Ceu war nicht die einzigste erwähnenswerte Neuentdeckung 2010. Auf der Suche nach einer Coverversion von PILs »This Is Not A Lovesong« bin ich auf »Nouvelle Vague«5) gestoßen. Für kurze Zeit waren die meine persönliche Nummer Eins. Habe mir zwei CDs davon geholt und die haben jeden Euro innerhalb kürzester Zeit wieder zurückgezahlt. »Nouvelle Vague« spielen Coverversionen von Klassikern aus den 80er Jahren neu ein und geben ihnen eine sexy Note, welche zum Träumen einlädt. Ich war kurz davor im Sommer nach Winterthur in die Schweiz zu fahren, wo sie beim Musikfestival auftraten aber leider hat sich kurzfristig niemand gefunden, der mitfährt. Im November hätte ich noch eine Chance in London gehabt aber das hab ich dann verpennt. Anspieltipps sind: »Dance With Me«, »Dont't Go« und »Human Fly« auf der CD »Bande A Parte« und »This Is Not A Lovesong« und »Psyche« auf der CD »Nouvelle Vague«.

»Nouvelle Vague« haben sich aber auch nicht an die Spitze gekämpft, dafür waren andere einfach prägnanter. »Jean Grae«6) zB war kein Zufallsprodukt. Ich kenne Sie seit 2005 und als ich dann 2010 wieder in den Sog von Hip-Hop kam, stand sie zu der Zeit ganz oben auf der Liste. Zu dieser Zeit war ich auch gerade dabei meinen Obulus an die Plattenindustrie abzudrücken und kaufte mir all die Alben, die ich von Freunden "geschenkt" bekommen habe oder ich mir quasi selbst "geschenkt" habe. Ich hatte bislang eh nicht viel geklaute Musik aber ich wollte die Künstler, die mir mittlerweile ans Herz gewachsen sind, mit den paar Cent supporten, die ihnen zustehen und dabei war »Jaen Grae« ein harter Brocken. Ich hatte einige Lieder von ihr auf meiner To-Buy Liste und ich muss sagen, die Dame hat mich ganz schon auf Trab gehalten. Nicht nur waren die fünf oder sechs Lieder, die ich bislang von ihr kannte auf eben so viele Alben verstreut, nein obwohl zT auch noch nicht so alt, waren die zT auch noch richtig schwer aufzutreiben. Die letzte Scheibe »The Grae Mixtape« habe ich nur noch gebraucht als Vinyl in USA bei Ebay ergattern können. So was verbinden einen natürlich und so wäre »Jean Grae« sicherlich ein Kandidat für den ersten Platz im Contest Musik 2010. Anspietipps sind: »P.S.« auf »This Week«, »Take Me« und »My Crew« auf »The Bootleg Of The Bootleg EP«, »Soda & Soap« auf »The Definitive Collab Connection« und last but not least das Schmankerl »Watch Me« auf »The Grae Mixtape«, schon alleine weil es keiner von Euch auftreiben wird… ;) Es ist auch nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Nummer auf »This Week«.



Nein Kamerad Zufall hat mir dann doch meine persönliche Nummer 1 in 2010 beschert. Getrieben von meiner jüngsten Sucht nach Hip-Hop ist mir ein alter Ohrwurm aus den 90ern wieder eingefallen, der damals von FM47) vorgestellt wurde. In den WG Zeiten in den 90ern war die Sendung »Tribe Vibes«, die jeden Donnerstag von Stermann und Chrissemann8) moderiert wurde, eine Art Pflichtprogramm. Bis heute ist mir eine Vorstellung eines Liedes in Erinnerung, wo ein damals 16-jähriger eine Nummer mit dem Refrain »Back In The Days, When I Was A Teenager« gesungen hat. Mit 16 Jahren so einen Text zu singen ist schon bemerkenswert, was damals nicht nur ich gedacht habe. Aber ähnlich wie bei der »The Grae Mixtape« konnte ich dieses Stück nirgends finden. Man glaubt gar nicht, wie viele Lieder es gibt, die entweder so heißen oder diese Zeile im Refrain haben. Ich musste mich durch Hunderte von, teilweise grottenschlechten Liedern durchhören, bis ich es endlich gefunden habe. »Illegal - Back In The Day«

Das Album »The Untold Truth« des Teeny Hip-Hop Duos, bestehend aus Jamal Phillips9) und Malik Edwards10) fand höchste Beachtung bei den Kritikern, blieb allerdings das Einzigste. Mein Interesse war jedoch geweckt und ich ging auf Spurensuche. Jamal hat nach seiner Illegal Zeit aber leider nur ein Solo Album herausgebracht. Zusammen mit Erick Sermon11), der aus dem Def Squad12) Umfeld heraus in mehreren Hip-Hop Projekten unterwegs ist, produzierte Jamal das Album »Last Chance, No Breaks«13). Heute nur noch schwer zu kriegen und wenn dann richtig teuer aber das war mir dann auch egal. »Last Chance, No Breaks« ist meine persönliche Nummer Eins in Sachen Musik 2010, auch wenn die Scheibe schon 15 Jahre auf dem Buckel hat aber besser spät gefunden als nie gefunden. Underground Hip-Hop vom allerfeinsten… Anspieltipps sind: »Fades Em All«, »Keep It Real«, »Genetic For Terror« und »Unfuckwittable«






Es gab aber auch schlechte Nachrichten in 2010 für mich als Hip-Hop Fan. »Textor« und »Quasi Modo« haben sich getrennt und ihr Projekt »Kinderzimmer Produktions«14) aufgegeben. Naja getrennt haben sie sich schon früher aber ich hab es erst 2010 mitbekommen. Asche auf mein Haupt. »KZP« haben dem deutsch Hip-Hop ihre ganz eigene Note aufgedrückt. Mit intelligenten Texten und außergewöhnlichen, teils harten Kompositionen heben sie sich deutlich vom Mainstream ab. Die hohe instrumentale Qualität, zB ihres Abschiedskonzerts, hat gezeigt wie es hätte weiter gehen können. So aber bleiben nur Wehmut, schöne Erinnerungen an vergangene Tage und eine Perle im Plattenschrank.

Mit »Kinderzimmer Productions« verliert der deutschsprachige Raum die wohl bemerkenswerteste Band, wenn gleich sie eigentlich nur in der Szene richtig bekannt waren. Das beste Album in meinen Augen ist »Wir sind da wo Oben ist« und die Anspieltipps sind: »Von Links nach Rechts«, »Nie wieder gut«, »Eine Frage von Stil« und »Merkwürdig/Unangenehm«








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